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NEWS UND EINBLICKE

Die nächste KI-Schlacht geht nicht um Modelle

In der vergangenen Woche stand vor allem das Design des Ferrari Luce im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – des ersten vollelektrischen Fahrzeugs des Unternehmens, das unter Mitwirkung des ehemaligen Apple-Chefdesigners Jony Ive entwickelt wurde. Die Präsentation löste intensive Diskussionen in den Medien aus, führte zu einer Welle von Memes und spaltete die Ferrari-Fangemeinde in zwei Lager. Unter dem Strich verlor die Ferrari-Aktie nach der Vorstellung mehr als 8 % an Wert.

Während der Markt über das Erscheinungsbild des Fahrzeugs diskutierte, blieb eine andere Nachricht mit möglicherweise deutlich größerer Bedeutung für die Zukunft von Unternehmen weitgehend unbeachtet.

OpenAI hat sein gemeinsames Projekt mit Jony Ive abgeschlossen – ein Vorhaben mit einem geschätzten Volumen von rund 10 Milliarden US-Dollar. Wenn Ferrari eine Geschichte über Fahrzeugdesign ist, dann ist das Projekt von OpenAI und Jony Ive ein Versuch, die Art und Weise, wie Menschen mit Technologie interagieren, neu zu gestalten. Grundlegend neu. 

Aus unserer Sicht stellt der Markt derzeit die falsche Frage. Die entscheidende Frage lautet nicht, welches neue Gerät OpenAI entwickeln wird. Die eigentliche Frage ist, was passiert, wenn KI nicht länger eine Anwendung ist, sondern zu einem dauerhaften Vermittler zwischen Menschen, Daten, Geschäftsprozessen und Entscheidungen wird. Was passiert, wenn ohne KI kein Businessprozess mehr möglich ist und der Mensch den Point-of-no-Return der Abhängigkeit überschritten hat? 

Wir erleben derzeit den Beginn eines Wettbewerbs um die nächste Ebene der digitalen Infrastruktur. Nicht um bessere Modelle und nicht einmal um mehr Rechenleistung, sondern um die Kontrolle über die Schnittstelle der Entscheidungsfindung. 

In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde die Unternehmenswelt von ERP-Systemen, CRM-Plattformen, E-Mail und Webbrowsern geprägt. Der nächste Zyklus könnte von einer KI-Schicht bestimmt werden, die festlegt, welche Informationen Mitarbeiter erhalten, welche Massnahmen empfohlen werden, welche Prozesse gestartet werden und wie Entscheidungen im Arbeitsalltag getroffen werden.

Dabei geht es nicht mehr um einen Markt für Werkzeuge.

Es geht um die prinzipiell neue Architektur der Unternehmenssteuerung.

Damit entstehen völlig neue Fragen: Wer kontrolliert den Zugriff von KI auf Unternehmensdaten? Wie wird Verantwortung zwischen Menschen und KI-Agenten verteilt? Wie lassen sich Abhängigkeiten von einzelnen KI-Anbietern vermeiden? Und vor allem wer trägt die Verantwortung für geschäftskritische Prozesse und Entscheidungen: Der Mensch oder die Technologie?

Bemerkenswert ist, dass SAP nahezu zeitgleich begonnen hat, den Zugriff nicht autorisierter KI-Agenten auf Unternehmenssysteme einzuschränken. Das ist kein Zufall. Die grossen Anbieter von Unternehmenssoftware bereiten sich bereits auf eine Welt vor, in der KI ein integraler Bestandteil der operativen Infrastruktur von Unternehmen wird.

Deshalb lautet die wichtigste Frage für Unternehmen heute nicht mehr, welches Modell sie einsetzen sollen. Die entscheidende Frage lautet:

Wer kontrolliert die neue Infrastruktur der Entscheidungsfindung innerhalb der Organisation?

Hier definiert sich das, was wir bei der Sanegor Treuhand AG als „AI-Exposure“ bezeichnen: Das kumulierte Risiko eines Unternehmens, das entsteht, wenn die Abhängigkeit von KI-Systemen die internen Kontrollmechanismen überholt. 

Dies ist längst nicht mehr nur eine Technologiegeschichte. Es ist eine Grundsatzdiskussion über Governance, operative Kontrolle und die zukünftige Architektur von Unternehmen. Ein modernes AI-Risikomanagement darf KI nicht verhindern – es muss sie auditierbar und beherrschbar machen. Nur wer die Kontrolle der Governance-Architektur nicht aus der Hand lässt, sichert langfristig die Handlungsfähigkeit und den Wert seines Unternehmens.

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