Eine Liquiditätskrise ist der Moment der Wahrheit für jedes Management. Doch es gibt immer Wege, das Ruder rumzureissen, bevor der Konkursrichter übernimmt.
1. Auf den Punkt gebracht
Es geht um das Überleben Ihres Unternehmens bei einer Liquiditätskrise – das heisst: Es fehlen die Barmittel, um laufende Rechnungen, Löhne oder Lieferanten fristgerecht zu bezahlen. Bleibt diese Situation ungelöst, kann sie in eine Sanierungs- oder Konkurslage übergehen. Die Kunst besteht darin, solche Engpässe rechtzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern, bevor die Krise eskaliert und der Gesetzgeber Sie zwingt, die Bilanz zu deponieren.
2. Wichtige Fakten im Überblick
Eine Liquiditätskrise entsteht selten aus dem Nichts. Meist folgen ihr blaue Warnsignale wie sinkende Umsätze, Kostenstopps oder hohe Verbindlichkeiten. Die Geschäftsleitung und vor allem der Verwaltungsrat tragen hier eine zentrale Überwachungs- und Reaktionspflicht – gerade seit der Aktienrechtsrevision ist die Zahlungsfähigkeitskontrolle ausdrücklich gefordert. In der Schweiz sind Sie als Verwaltungsrat oder Geschäftsführung gesetzlich verpflichtet, bei begründeter Besorgnis einer Überschuldung eine Zwischenbilanz zu erstellen.
Im Krisenfall sind zwei Wege möglich:
- Sanierung: Durch finanzielle und operative Massnahmen wird versucht, das Unternehmen wieder auf gesunde Beine zu stellen – z. B. Kostenabbau, Restrukturierung der Schulden oder neue Finanzierungsquellen.
- Konkurs: Wenn Sanierungschancen nicht erkennbar sind oder zu spät reagiert wurde, ist die Liquiditätskrise oft der Einstieg in einen formellen Konkurs.
3. Planung & Timing
- Frühwarnung ist alles: Eine kurzfristige Liquiditätsplanung (z. B. Cash-Forecast der nächsten 3–12 Monate) sollte fester Bestandteil jeder Finanzsteuerung sein. So erkennt man Engpässe, bevor sie akut werden.
- Regelmässig überprüfen: Finanzkennzahlen, Cashflow-Prognosen und Liquiditätskennzahlen gehören mindestens monatlich auf den Prüfstand, nicht erst wenn es eng wird.
- Schnelles Handeln zählt: In der Krise zählt jede Stunde. Je früher man Massnahmen einleitet – etwa Working-Capital-Optimierung oder Gespräche mit Kreditgebern – desto grösser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Sanierung und desto kleiner das Risiko, dass aus einer vorübergehenden Krise ein Konkurs wird.
4. Warum das für mich relevant ist
- Besserer Schutz vor Insolvenzen: Wer Liquiditätsengpässe früh erkennt, kann offensiv gegensteuern und den Weg in den Konkurs oft vermeiden.
- Rechtliche Sicherheit für Entscheidungsträger: Durch systematische Planung und proaktive Steuerung werden die Haftungsrisiken für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung reduziert. Sie schützen Ihr Privatvermögen vor Haftungsansprüchen wegen Konkursverschleppung.
- Stärkung der Unternehmensstabilität: Eine robuste Liquiditätsplanung erhöht nicht nur die Überlebenschancen in Krisenzeiten, sondern verbessert auch die Verhandlungsposition gegenüber Banken, Lieferanten und Investoren. Und nicht selten ist die Krise der nötige Katalysator, um ein Unternehmen endlich kosteneffizient aufzustellen.